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A4 - Betriebliche Gesundheitsförderung
AK Gesundheitswesen
Donnerstag 25.09.2008, 14.00 bis 15.30 Uhr
Referenten:
- Kohstall, BGAG – Institut Arbeit und Gesundheit der DGUV, Dresden
Betriebliches Gesundheitsmanagement - Sieker, Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Bonn
Ex-post-Evaluation im Bereich der deutschen und Europäischen Arbeitsschutzgesetzgebung - Kviecien/Morscher (KOHS); Grillich/Nagel/Satke (diepartner)
Analyse- und Controllinginstrumente basierend auf der Visualisierung von Risiken bei der Arbeit - Sieker, Bundesministerium für Arbeit und Soziales, Bonn
Empirische Studien des BMAS zum Themenfeld Unternehmenskultur und wirtschaftlicher Erfolg
Abstracts:
1) Kohstall, BGAG – Institut Arbeit und Gesundheit der DGUV, Dresden: Betriebliches Gesundheitsmanagement
Das betriebliche Gesundheitsmanagement hat sich über viele Jahre hinweg von der klassischen „Arbeitsmedizin“ über das Programm „Humanisierung der Arbeit“ und weiter über die „Gesundheitsförderung“ bis hin zum jetzigen „Gesundheitsmanagement“ entwickelt.
Gesundheitsmanagement ist ganzheitlich ausgerichtet. Es umfasst sowohl Prozesse der psychischen, physischen und sozialen Aspekte in den Unternehmen als auch im privaten Umfeld. Ebenfalls zum Gesundheitsmanagement gehören Aspekte der medizinischen Vorsorge sowie der Präventionsmedizin.
In den letzten Jahren wird die Bedeutung eines betrieblichen Gesundheitsmanagements zunehmend in den Unternehmen und Verwaltungen erkannt. Unternehmen aller Größen integrieren mehr oder wenig professionell ein solche System in das Unternehmensmanagement ein.
In diesem Zusammenhang stellen sich viele Fragen:
· Welches sind die Erwartungen an eine betriebliches Gesundheitsmanagement?
· Wirk ein betriebliches Gesundheitsmanagement?
· Ist dieser damit verbundene Aufwand auch sinnvoll?
· etc.
Das Gesundheitsmanagement muss, wie alle betrieblichen Maßnahmen, einen nachweisbaren Beitrag zum wirtschaftlichen Erfolg im Unternehmen durch die Erhaltung der Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter erbringen. Die Mitarbeiter sind im Dienstleistungs- und Informationszeitalter der wichtigste Produktionsfaktor im Unter-nehmen, sie machen den Wettbewerbsunterschied zwischen den Unternehmen in aller Welt aus.
Bei Maßnahmen zur Umsetzung des Gesundheitsmanagements, insbesondere bei der Gesundheitsförderung, sind grundsätzlich die Prozessbegleitung (Prozessevaluation) als auch die Ermittlung der Wirkung (Wirkungsevaluation) ein Mittel, um
· frühzeitig steuernd in die Präventionsmaßnahmen eingreifen zu können,
· Aussagen zum Erfolg der Präventionsmaßnahmen zu erhalten und
· Erfahrungen für zukünftige Präventionsmaßnahmen zu sammeln (welche In-strumente der Maßnahmen haben wie gewirkt).
Es stellt sich die Frage, inwieweit die DeGEval als einer wissenschaftlichen Gesell-schaft von Evaluatoren den betrieblichen Prozess der Evaluation eines Gesundheitsmanagements unterstützen kann.
2) Achim Sieker, BMAS: Ex-post-Evaluationen im Bereich der deutschen und Europäischen Arbeitsschutzgesetzgebung
In den Mitgliedsstaaten der Europäischen Gemeinschaft beruht die Arbeitsschutzgesetzgebung auf den bindend umzusetzenden EU-Arbeitsschutzrichtlinien. Die europäische und national Arbeitsschutzgesetzgebung ist bis auf wenige Ausnahmen seit 10-15 Jahren weitgehend abgeschlossen, es werden daher Forderungen lauter, die Gesetzgebung zu revidieren und aktualisieren. Im Zuge der anhaltenden Debatte um Deregulierung und Vereinfachung der Gesetzgebung werden zunehmend Vorschläge eingebracht, die sich an Einzelbestimmungen orientieren und nicht den gesamteuropäischen und fachlich übergreifenden Kontext der Richtlinien berücksichtigen (shopping list). Zudem fehlen Konzepte, wie Vorschläge gebündelt, abgewogen und daraus tragfähige, evidenzbasierte Handlungsoptionen für politische Entscheidungsträger formuliert werden können. Das BMAS schlägt hierzu die ex-post-Evaluation von EU-Arbeitsschutzrichtlinien vor.
Basierend auf dem Leitfaden "Evaluation staatlicher Interventionen aus Auftraggebersicht" des BMWA von 2004 hat das BMAS zwei Pilotforschungsvorhaben durchgeführt, um Machbarkeit und Nutzen von Ex-Post- Evaluation auf dem Gebiet der nationalen und europäischen Arbeitsschutzgesetzgebung zu prüfen. Den Anfang machte 2005 ein Forschungsvorhaben zur Umsetzung der Baustellenverordnung bei ausgewählten Kreise. In einer repräsentativen Befragung wurden Baubeteiligte zu Kenntnis Relevanz der Einzelbestimmungen in betrieblichen Entscheidungsprozessen, Effektivität und Effizienz der gesetzlich vorgeschriebenen Maßnahmen und Verbesserungsvorschlägen befragt.
Das Forschungsvorhaben zeigte grundsätzlich Machbarkeit und Nutzen von Evaluation im Bereich der Arbeitsschutzgesetzgebung. Evaluation zeigte darüber hinaus gute Potenziale zur Verbesserung der Kommunikation in politischen Abstimmungsprozessen, da durch ergebnisoffene, rechtzeitige und umfassende Beteiligung aller Interessengruppen und fundierte empirische Ergebnisse notwendige Diskussionen versachlich und beschleunigt werden.
Basierend auf diesen positiven Erfahrungen haben daraufhin auf unter deutscher Federführung 6 EU-Mitgliedstaaten ex-post-Evaluationen der EU-Bildschirmarbeitsrichtlinie 90/270/EWG durchgeführt. Die Ergebnisse wurden im Rahmen der deutsche Teilevaluation zusammengefasst und in einem gemeinsamen Abschlussbericht veröffentlicht. Von seiten der EU-Kommission ist beabsichtigt, diese Erfahrungen aufzugreifen und eine Arbeitsgruppe aus Vertretern von Sozialpartnern und Regierungen der Mitgliedsstaaten mit der Fortentwicklung und evtl. Erprobung der Evaluationsmethodik zu beauftragen.
3) Harald Kviecien/ Marcel Morscher (KOHS); Ludwig Grillich/ Tanja Nagel/ Maren Satke (diepartner.at)
Analyse-und Controllinginstrumente basierend auf der Visualisierung von Risiken bei der Arbeit
Betriebliches Gesundheitsmanagement gilt als ein Schlüssel für den wirtschaftlichen Erfolg von Unternehmen. Der Nutzen und die Wirksamkeit durch gezielten Einsatz geeigneter Instrumente zur Förderung der Betrieblichen Gesundheit wird durch viele Studien belegt. Gleichzeitig gilt es für Unternehmen gesetzliche Vorschriften des Arbeitsschutzes einzuhalten, die für einen Mindeststandard zur Erhaltung der Sicherheit und Gesundheit der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sorgen sollen.
Doch wie kann die Wirksamkeit und Qualität von Projekten der Gesundheitsförderung und Prävention, von Interventionen zur Optimierung von Arbeitssystemen sowie Betrieblichen Gesundheitsmanagementsystemen geprüft und bewertet werden?
Dieser Frage geht ein aktuelles Forschungsprojekt nach: (HERIVIS – health risk visualisation system). Zur Beantwortung dieser Frage werden im Zuge dieses Projekts Analyse- und Controllinginstrumente (HERIVIS-ACI) basierend auf der Visualisierung von Risiken bei der Arbeit entwickelt und erprobt.
HERIVIS-ACI stellen in sich geschlossene Instrumente zur Erfassung, Beurteilung, Bearbeitung und Evaluation bestimmter, abgegrenzter Risiken und Anwendungsgebiete dar, die als Baustein in ein Gesundheitsmanagementsystem eingebunden werden können. Das Instrument soll Anwender und Anwenderinnen dabei unterstützen, die Vorteile der präventiven Strategie, die durch die Fokussierung auf differenzierte bestimmte Risiken und deren Ursache-Wirkungszusammenhänge gekennzeichnet ist und der Gesundheitsförderungsstrategie, die sich durch einen umfassenden Blick auf Ressourcen und Möglichkeiten zur Förderung der Gesundheit auszeichnet, zu verbinden.
Die Basis des entwickelten Analyse- und Controllinginstruments bildet die PIMEX Methode zur Visualisierung von Risiken bei der Arbeit. Dabei werden über Sensoren unterschiedliche Belastungen für den arbeitenden Menschen erfasst, sei es Lärm, Luftschadstoffe, klimatische Bedingungen, Belastungen für den Stütz- und Bewegungsapparat oder auch Belastungen durch körperliche oder geistige Schwerarbeit. Gleichzeitig wird das Videobild des Arbeitsprozesses aufgenommen, um so exakte Zuordnungen der Belastungen zu der jeweiligen Arbeitssituation herstellen zu können.
Der Stellenwert der Evaluation innerhalb des HERIVIS-ACI:
1. Integrierte Evaluation durch Nachvollziehbarkeit und Partizipation der Beteiligten (durch Sichtbarmachen oft unsichtbarer Risiken, aber auch verborgener Ressourcen wird den Beteiligten das Verstehen von Ursache-Wirkungszusammenhängen ermöglicht.)
2. Die PIMEX Methode stellt eine messdatengestützte, weitestgehend objektivierbare Analyse der Wirksamkeit von Maßnahmen dar. Veränderungen der Belastungssituation können dargestellt und bewertet werden (Vorher- Nachhervergleich)
3. Durch die integrierte Evaluation der PIMEX Methode erfolgt eine Aufwertung zusätzlicher Instrumente der Prozessevaluation bei Projekten der Gesundheitsförderung und Prävention. In Befragungen und Feedbackworkshops können subjektive Beobachtungen mit objektiven Analysen verknüpft werden.
4. Das Abbilden des Präventionsprozesses ermöglicht eine systematische Erhebung des Verständnisses für Gesundheit und des Stellenwerts von Gesundheitsmanagement in einer Organisation. Der Grad der Gesundheitskenntnis kann eingeschätzt werden.
5. Die Visualisierung der Risiken, aber auch der durchgeführten Verbesserungen im Zuge eines Präventionsprozesses steigert die Nachvollziehbarkeit auf Managementebene. Die Risikoparameter werden für das Controlling operationalisierbar. Besonders bei kombinierten Ansätzen, die evidenzbasiert den größten Nutzen bieten, erscheint die nachhaltige Steuerbarkeit von besonderer Wichtigkeit.
Dieser Beitrag zeigt den Einfluss der Anwendung und der Ergebnisse eines HERIVIS-ACI auf die Steuerung eines Betrieblichen Gesundheitsmanagement sowie insbesondere auf die Gestaltung der betrieblichen Bildung und Kompetenzentwicklung.
4) Achim Sieker, BMAS: Empirische Studien des BMAS zum Themenfeld "Unternehmenskultur und wirtschaftlicher Erfolg"
Der hohe und weiter zunehmende Innovations-, Wettbewerbs- und Kostendruck erfordert von Unternehmen die effektive und effiziente Nutzung aller zur Verfügung stehenden Leistungspotenziale und Ressourcen. Eine Schlüsselrolle nimmt dabei die Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft der Mitarbeiter ein, umso mehr als die demografische Entwicklung hier zu einer zunehmenden Personalknappheit führen wird. Mit Blick auf die Beschäftigten bedarf es angesichts des kontinuierlich steigenden Arbeits- bzw. Leistungsdrucks der besonderen Aufmerksamkeit für die Weiterentwicklung ihrer Gesundheit, aber auch ihrer Arbeitsplatzzufriedenheit,und ihres Engagements insgesamt.
Klassische Maßnahmen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes allein können hier nur begrenzt Wirkungen entfachen, gefordert ist ein umfassendes, systematisches Humanressourcenmanagement, um in den Unternehmen leistungsförderliche, mitarbeiterorientierte Unternehmenskulturen zu etablieren.
Um hierzu entsprechende Transfermaßnahmen und Kampagnen zu entwickeln, hat das BMAS zwei Forschungsvorhaben auf Basis breit angelegter, empirischer Studien in Unternehmen aller Branchen durchgeführt.