Der Frühjahrsworkshop 2009 des Arbeitskreises Strukturpolitik fand vom 18. bis 19. Juni 2009 in Wiesbaden statt. Gastgeber war die ELER-Fondsverwaltung des Hessischen Ministeriums für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (HMUELV). Rund 35 TeilnehmerInnen aus Forschungseinrichtungen, Beratungsbüros, Verwaltung und Politik aus Deutschland, Österreich und der EU beschäftigten sich zwei Tage mit unterschiedlichen methodischen Ansätzen quantitativer Wirkungsanalysen und unterzogen diese einer kritischen Reflektion.Regina Grajewski als Teil des SprecherInnenteams des AK Strukturpolitik gab eine kurze Einführung in die Thematik. 01_Einfuehrung.pdf
Kai Stryczynski erläuterte die neuesten Entwicklungen in der Evaluierungseinheit der DG Regio, die diese dazu veranlasst hat, verschiedene Studien seitens der KOM in Auftrag zu geben, die methodische Ansätze des Rigourous Impact Assessment exemplarisch anwenden sollen. Aus seiner Sicht entziehen sich viele Förderbereiche (z. B. Forschung und Entwicklung, Großprojekte) solchen Ansätzen. Schätzungsweise können Wirkungen von ca. 20 % des Förderspektrums mit solchen quantitativen Methoden erfasst werden.
02_Impact_Evaluation_STRYCZINSKI_GD_REGIO.pdf
Im Anschluss stellte Ulf Rinne vom Forschungsinstitut zur Zukunft der Arbeit (IZA) ein typisches Anwendungsbeispiel von Matching-Verfahren in der Wirkungsanalyse arbeitsmarktpolitischer Maßnahmen vor. Untersucht wurden zwei Instrumente zur Förderung von Existenzgründungen, nämlich die sog. „Ich-AG“ und das Überbrückungsgeld.
Neben dem Matching-Ansatz existieren noch weitere quantitative Ansätze, die im Vergleich zu dem Kontrollgruppenansatz weniger umfangreiche Daten erfordern, allerdings in ihren Ergebnissen stark von den getroffenen Ansätzen abhängen. Andrea Pufahl vom Institut für Ländliche Räume des Johann Heinrich von Thünen-Instituts gab einen Überblick über parametrische und nicht-parametrische Verfahren in der quantitativen Wirkungsanalyse und stellte verschiedende Anwendungsbeispiele aus dem Bereich der ländlichen Entwicklungsförderung vor.
04-Pufahl_quantitative-Methoden.pdf
Der Freitag vormittag stand im Zeichen makro-ökonomischer Ansätze zur Wirkungsanalyse.
Karl Ortner, der die Evaluation des ländlichen Entwicklungsplans 2007 bis 2013 in Österreich koordiniert und an der Bundesanstalt für Agrarwirtschaft beschäftigt ist, stellte ein partielles dynamisches Modell vor, mit dem die sozio-ökonomischen Wirkungen des ländlichen Entwicklungsprogramms ex ante abgeschätzt werden sollten.
Bei Oliver Fritz vom Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung hingegen ging es nicht um eine Ex-ante-Schätzung, sondern um eine Ex-post-Betrachtung der Wirkungen von 12 Jahren EFRE in Österreich. Eingesetzt und weiterentwickelt wurde in dieser Studie im Auftrag der Österreichischen Raumordnungskonferenz das Input-Output-Modell MultiREG.
Last but not least stellte Anne Margarian vom Institut für Betriebswirtschaft des Johann Heinrich von Thünen-Instituts die Frage nach der theoretischen Fundierung der Analysen im Rahmen von Evaluationen, d. h. das Stellen der richtigen Fragen und die Wahl der geeigneten Methoden und leitete so über zu der Abschlussdiskussion mit allen ReferentInnen.