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Rezension Beywl

Rezension Beywl

Beywl, W., Bestvater, H. & Friedrich, V. (2011). Selbstevaluation in der Lehre. Ein Wegweiser für sichtbares Lernen und besseres Lehren. Münster: Waxmann

 

 

 

ISBN: 978-3-8309-2577-4

Preis: 29,90 Euro

Rezensiert von Dr. Maria Gutknecht-Gmeiner, Februar/März 2014

m.gutknecht-gmeiner@impulse.at

 

Zusammenfassung der Inhalte

Das Buch gibt eine umfassende Einführung in die Selbstevaluation in der Lehre. Vorangestellt ist eine Einleitung, in der auf die traditionelle Lehrevaluation in Hochschulen eingegangen wird und vor diesem Hintergrund Anlass, Zweck und Zielgruppe des Buches beschrieben werden. Dort findet sich auch ein guter Überblick über das gesamte Werk.

In Kapitel 1 geben die Autor/innen eine kurze Einführung in Grundbegriffe der Evaluation und verorten die Selbstevaluation in Bezug auf Gegenstand, Evaluationsart und Evaluationszweck; die Doppelrolle von Praktiker/in und Evaluator/in in der Selbstevaluation wird hervorgehoben. Auch organisationale und persönliche Voraussetzungen für Selbstevaluation werden angesprochen.

Kapitel 2 ist das Kernstück des Lehrbuchs – auch vom Umfang her, denn etwa die Hälfte der Seiten entfällt auf dieses Kapitel. Es beschreibt sehr übersichtlich und nachvollziehbar, wie Lehrhandeln und Evaluation in der Selbstevaluation verschränkt werden. Dem Lehrbuch zugrunde liegt ein Verständnis von Evaluation als einer maßgeschneiderten und systematischen, auf empirischen Daten beruhenden, qualitätsvollen und für die Praxis nützlichen Untersuchung von bedeutsamen Fragestellungen. In acht klar definierten und logisch aufeinander folgenden Schritten wird anschaulich dargelegt, wie dies in der Praxis gelingen kann: Dies beginnt bei der Bestimmung von Zweck und Anlass der Evaluation (Schritt 1) und der Definition des Evaluationsgegenstandes (Schritt 2), wendet sich dann mit der Festlegung der Lehrziele (Schritt 3) und der Planung der Lehrintervention (Schritt 4) dem Lehrhandeln zu, um dann in den Evaluationsstrang zurück zu wechseln: zur Formulierung der Fragestellungen (Schritt 5), der Planung (Schritt 6) sowie der Durchführung der Datenerhebung und der Auswertung (Schritt 7) bis zur Rückmeldung und Nutzung der Ergebnisse (Schritt 8). Kapitel 2 kann als detaillierter Leitfaden für die Durchführung von Selbstevaluationen gelesen werden. Ergänzt wird das Kapitel durch drei „Specials“, in denen sich methodische Anleitungen zur Fragebogenerstellung, zur Auswertung qualitativer Daten mittels gängiger Textverarbeitungssoftware sowie zur Visualisierung von Ergebnissen finden.

Im Kapitel 3 finden sich fünf Fallstudien von tatsächlich durchgeführten Selbstevaluationen aus dem Umfeld der Autor/innen: Diese „Anschauungsbeispiele“ illustrieren die „Theorie“ aus Kapitel 2 und unterstützen den Transfer in die Praxis.

In Kapitel 4 wird ein „Taschenset“ von sieben Erhebungsinstrumenten vorgestellt, darunter weit verbreitete wie das „Ampelfeedback“ oder das „Blitzlicht“, aber auch weniger bekannte. Sämtliche im Buch vorgestellte Methoden und Instrumente sind „konvivial“, d.h. sie bedürfen keiner speziellen Ausstattung oder Expertise, sie lassen sich in den Lehralltag integrieren und sie sind zugleich sowohl Lehrintervention als auch Datenerhebungsinstrument. Im Vordergrund stehen Machbarkeit, ein ressourcenschonender Ansatz sowie Synergien mit dem Lehrhandeln – wodurch ein mehrfacher Nutzen von Selbstevaluation für die Praxis der Lehrenden entsteht. Interessant auch für erfahrene Selbstevaluator/innen sind die vielfältigen Anregungen, wie diese einfachen Instrumente für verschiedene Zwecke und Fragestellungen genutzt werden können, sowie die Hinweise zu Durchführungsbedingungen und -variationen.

Das Buch schließt mit einem Anhang in Kapitel 5, der neben Checklisten, Arbeitsblättern und Erläuterungen zu den vorgestellten Evaluationsschritten und -methoden auch Literaturempfehlungen zu didaktischen Methoden und Modellen umfasst. Schließlich gibt es einen Sachindex, der auch die verwendeten Fachbegriffe aus der Evaluation beinhaltet, sowie eine Literaturliste.

Das Buch eignet sich für

Das Lehrbuch wendet sich explizit an Lehrende an Hochschulen. Es ist jedoch in gleichem Maße für Lehrende aus anderen Bildungsbereichen, vor allem aus der Erwachsenenbildung/Weiterbildung, aber auch aus dem Schulbereich relevant.

Es ist bewusst als Einführung konzipiert, Zielgruppe sind daher „Evaluations-Neulinge“, d.h. Lehrende, die über wenig oder gar kein Wissen über Evaluation oder empirische Methoden verfügen. Es bietet aber auch evaluationserfahren(er)en Lehrenden einerseits eine theoretische Fundierung (die oft in Ausbildungen und Lehrbüchern für Praktiker/innen zu kurz kommt), andererseits auch praktische Anregungen durch Anwendungsbeispiele und die Vorstellung von Erhebungsmethoden, die über das übliche Repertoire der Lehrevaluation hinausgehen.

Es eignet sich zusätzlich auch als allgemeine Einführung in die Evaluation aus dem „Blickwinkel der in der Lehre Tätigen“. Es kann für das Selbststudium verwendet werden oder als Begleittext und Material- und Beispielfundus für Seminare zur Selbstevaluation/Evaluation für Personen aus dem Bildungsbereich.

Stärken und Schwächen

Das Lehrbuch stellt insgesamt eine sehr gute, praxisnahe und dabei theoretisch fundierte Einführung in die Selbstevaluation dar. Es bezieht sich auf den aktuellen Stand der Evaluationsforschung und vermittelt grundlegende Begriffe, ohne in Fachjargon zu verfallen.

Die Autor/innen geben eine praxisorientierte und detaillierte Anleitung zum Evaluationsprozess, vermeiden dabei aber apodiktische Aussagen und simple Rezepte. Praktische Tipps und die konkrete Beschreibung von Instrumenten sind immer eingebettet in einen Zugang, der eine „produktiv-kritische Auseinandersetzung“ mit Evaluation verfolgt. Das Buch fördert das Evaluationsverständnis („evaluative thinking“) und regt an zu eigenem Denken und Tun. Dies wird durch eine durchgängige logische Argumentation sowie Beispiele aus der Praxis unterstützt.

Die Autor/innen zeigen überdies, wie Selbstevaluation den Qualitätsstandards von Evaluation genügen kann und dabei machbar bleibt, und unterstützen so die Validität und Glaubwürdigkeit dieser Evaluationsart.

Das Lehrbuch ist didaktisch aufbereitet, es fehlen aber Merkmale eines Lehrbuchs wie operationalisierte Lernziele, Selbstkontrollen, Reflexionsfragen oder Übungen, wobei aus Sicht der Rezensentin die Akzeptanz für eine stärkere „Didaktisierung“ bei der Zielgruppe vorab zu klären wäre. Die Fallbeispiele sind etwas knapp geraten, eine detailliertere Beschreibung könnte den Nutzen für Leser/innen erhöhen.

Besonderheiten

Das Buch geht auch auf methodisch-didaktische Aspekte der Lehre ein und bietet dazu im Strang des Lehrhandelns Informationen und Anregungen, wie Lehrziele bestimmt und passende Lehrinterventionen ausgewählte werden können. Auch finden sich im Anhang Literaturempfehlungen zu didaktischen Modellen und Methoden.

Hinweis auf weitere Rezensionen

Hildegard Müller-Kohlenberg: Rezension in Zeitschrift für Evaluation 1/2012, S. 126-129.

Petra Wagner: Rezension vom 16.02.2012 in socialnet Rezensionen, ISSN 2190-9245, www.socialnet.de/rezensionen/12042.php [06.02.2014].

 

Standardisierte Checkliste für die Rezension

A – Inhalte
Die folgende Liste zeigt mögliche Inhalte eines Lehrbuchs für Evaluation. Es muss nicht unbedingt ein Vorteil sein, wenn ein Buch alle Inhalte abdeckt, bzw. ein Nachteil, sollten nicht alle Inhalte behandelt werden. Vielmehr kommt es darauf an, dass die Inhalte vor dem Hintergrund des Anspruchs und der Zielsetzung des Buches in genügender Breite und Tiefe dargestellt sind.

 

Wo liegen die Schwerpunkte des Buchs?

 

 

Geht das Buch ein auf…

ja

teil-weise

nein

   Bemerkungen

1

…Definition, Funktionen und Zwecke von Evaluation?

x

 

 

Selbstevaluation wird im Feld verschiedener Evaluationsarten verortet, es wird geklärt, für welche Evaluationszwecke sich Selbstevaluation eignet.

2

…Ansätze und Theorien der Evaluation (z.B. im Rahmen eines gegenüberstellenden Überblicks)?

x

 

 

Es gibt keine Beschreibung von Ansätzen und Theorien, jedoch ist das Buch insgesamt evaluationstheoretisch sehr gut fundiert. Dies hebt es sehr positiv ab von anderen Werken ähnlichen Inhalts.

3

…die geschichtliche Entwicklung der Evaluation?

 

 

x

Dies würde m.E. den Rahmen des Buches sprengen.

4

…die DeGEval-Standards (und/oder internationale Äquivalente)?

x

 

 

Das Vorgehen bei der Selbstevaluation wird anhand der „Standards für Selbstevaluation“ dargelegt, damit wird die praktische Anwendung und Relevanz der Standards deutlich, mehr noch: die Standards sind handlungsleitend für die einzelnen Evaluationsschritte.

5

…Organisations- und Feldkenntnisse, Kontextwissen?

x

 

 

Die Selbstevaluation baut darauf auf, dass Praktiker/innen ihr eigenes Handeln untersuchen, Organisations- und Feldkenntnisse sowie Kontextwissen sind also von Vornherein als hoch einzuschätzen.

6

…das Projektmanagement bei Evaluationen?

 

x

 

In eingeschränktem Maße: nur soweit es die Durchführung der Selbstevaluation betrifft.

7

…Sozial- und Selbstkompetenzen von Evaluierenden?

x

 

 

Besonders berücksichtig werden Kompetenzen im Zusammenhang mit einer systematischen, zielorientierten und maßgeschneiderten Planung und Durchführung von Evaluation. Soziale und kommunikative Kompetenzen sind Teil der professionellen Grundkompetenzen der Zielgruppe und werden im Buch nicht explizit angesprochen.

8

…aktuelle internationale Evaluationsliteratur?

x

 

 

Auf internationale Evaluationsliteratur wird im Buch immer wieder eingegangen.

9

…den gesamten Evaluationsprozess (vom Erstkontakt und der Planung über die Datenerhebung und -analyse, die Berichterstattung bis hin zur Metaevaluation)?

x

 

 

Einer der großen Vorzüge des Buches ist die detaillierte Beschreibung und Anleitung des Evaluationsprozesses in acht Schritten; weiter erläutert wird dies auch durch Praxisbeispiele.

 

B – Didaktik

Bei dem zu rezensierenden Buch handelt es sich (im weitesten Sinne) um ein Lehrbuch, d.h. um ein Medium, das explizit mit didaktischen Intentionen gestaltet wurde und allgemein oder themenspezifisch zu einzelnen Anwendungs- oder Teilbereichen der Evaluation informieren und die aktive Auseinandersetzung mit den dargestellten Inhalten anregen soll. Vor diesem Hintergrund stellen sich im Rahmen der Rezension die folgenden Fragen:

 

 

 

ja

teil-weise

nein

Bemerkungen

1

Wird gesagt, an wen sich das Buch richtet? (Zielgruppe(n))

x

 

 

Das Buch richtet sich explizit an Lehrende an Hochschulen, ist jedoch genauso für Lehrende in anderen Bildungsbereichen (Schulen, Erwachsenenbildung) geeignet.

2

Wird gesagt, für welche didaktischen (Anwendungs-)Kontexte sich das Buch eignet?

x

 

 

 

3

Werden konkrete Lernziele formuliert?

 

x

 

Die Lernziele bleiben eher implizit.

4

Sind Fragen zur Selbstkontrolle und/oder Übungen enthalten?

 

 

x

 

5

Wird der Bezug zur Praxis in angemessenem Umfang hergestellt (z.B. mit Fallbeispielen, konkreten Handlungsempfehlungen)?

x

 

 

Dies ist eine der Stärken des Buchs.

 

C – Textgestaltung

Mit Blick auf die Zielgruppe(n) bzw. den Anwendungskontext des Lehrbuches können auch gestalterische Kriterien an das Medium gestellt werden.

 

 

ja

teil-weise

nein

Bemerkungen

1

Ist die verwendete Sprache prägnant und verständlich?

x

 

 

 

2

Ist die Gliederung übersichtlich und folgt der Aufbau einer erkennbaren Logik („roter Faden“)?

x

 

 

 

3

Werden Abbildungen, Tabellen, Illustrationen etc. in geeigneter Form und geeignetem Umfang eingesetzt?

x

 

 

 

4

Ist der Umfang des Buches dem Inhalt und den Zielsetzungen des Buches angemessen?

x

 

 

 

5

Alles in allem: Ist der Text hinsichtlich Inhalt und Niveau der Zielgruppe angepasst?

x

 

 

 

 

D – Formale Kriterien

Abschliessend werden noch einige formale Kriterien aufgeführt, die bei einer Buchbeurteilung zu berücksichtigen sind:

 

Das Buch…

ja

teil-weise

nein

Bemerkungen

1

…hat ein angemessenes und nutzendenfreundliches Layout.

x

 

 

 

2

…enthält ein Glossar zentraler Begriffe.

 

x

 

Zentrale Begriffe sind ins Stichwortverzeichnis integriert und dort kursiv gesetzt, für die Definitionen/Erklärungen wird auf das „Eval-Wiki: Glossar der Evaluation“ verwiesen: www.eval-wiki.org/glossar

Das hat den Nachteil, dass man extra im Internet nachsehen muss, allerdings auch den großen Vorteil, dass die Begriffe im Eval-Wiki immer aktuell gehalten werden (können) bzw. das Leser/innen dort auch auf andere interessante Begriffe aufmerksam werden können.

3

…enthält ein Autoren-/Autorinnenverzeichnis.

x

 

 

 

4

…enthält ein Stichwortverzeichnis.

x

 

 

 

5

…enthält Hinweise auf weiterführende Literaturquellen.

x

 

 

Zusätzlich zum Literaturverzeichnis zu Evaluation und  Lehrevaluation gibt es im Anhang (5.1) Literaturempfehlungen zu didaktischen Modellen und Methoden.

7

…hat einen dem zu erwartenden Nutzen angemessenen Preis.

x

 

 

 

8

…ist für alle Interessierten leicht verfügbar (z.B. über den Buchhandel; ggf. Bemerkungen zu alternativen Bezugswegen).

x

 

 

 

 

 

Zuletzt geändert: 14. März 2015

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Dr. Dörte Schott

Freie Evaluatorin
Telefon: +49 228 6296673
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Sandra Schopper, M.A.

Studiengangskoordinatorin "Master of Evaluation"

Universität des Saarlandes und Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes

Telefon: 0681/ 302-4328
E-Mail: s.schopper@mx.uni-saarland.de